Wirtschaftsstandort Telgte

- eine großartige Kleinstadt im TÖFTE-Land –

Die Geister scheiden sich, was die genaue Zahl der Einwohner der Stadt Telgte angeht. Das Statistische Landesamt IT-NRW geht von einer Zahl knapp unter 20.000 Einwohnern aus, interne Statistiker sind davon überzeugt, dass die Zahl von 20.000 schon längst überschritten worden ist. Die Emsstadt, im Speckgürtel des großen Bruders Münster gelegen, ist nicht nur für viele Münsteraner zum Wohnort und zur Heimatstadt geworden, weil sich die gewerbliche Struktur und auch die Anzahl der Arbeitsplätze in den letzten Jahren enorm entwickelt hat und zudem der Wohlfühlcharakter – insbesondere durch die Altstadt – im weiten Umkreis seines Gleichen sucht. Die TÖFTE-Redaktion hat sich mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt Telgte, Andreas Bäumer, und dem Geschäftsführer des Gewerbevereins der „Telgter Hanse e.V.“, Norbert Woestmeyer, getroffen, um sich mit ihnen über die wirtschaftliche Entwicklung – gerade in diesen besonderen Zeiten –, über abgesagte und evtl. noch geplante Großveranstaltungen sowie über die Digitalisierung im Stadtgebiet Telgte zu unterhalten.

Herr Bäumer, Herr Woestmeyer, geben Sie unseren Leserinnen und Lesern einen kurzen Einblick in Ihre Aufgabenbereiche als Wirtschaftsförderer der Stadt Telgte sowie als Geschäftsführer der „Telgter Hanse e.V.“:

Bäumer

Schon seit 2006 arbeite ich bei der Stadt Telgte und bin neben meiner Tätigkeit als Wirtschaftsförderer auch noch für die Arbeitsbereiche Demographie und Presse verantwortlich. Im Tätigkeitsfeld „Wirtschaftsförderung“ liegt mein Hauptaugenmerk auf der Bestandspflege und der Betreuung der Unternehmen hier vor Ort, dem Standortmarketing, dem Immobilienmanagement, dem Stadtmarketing und der Netzwerkbildung innerhalb der Telgter Unternehmen.

Woestmeyer

Ich bin schon seit 10 Jahren Leiter der Geschäftsstelle der „Telgter Hanse e.V.“. Neben den administrativen Tätigkeiten wie Mitgliederverwaltung und -betreuung, der Zusammenarbeit mit dem Steuerberater und weiterer Formalien liegt meine Aufgabe darin, gemeinsam mit dem Vorstand der „Telgter Hanse e.V.“ Projekte – angefangen vom Stadtfest bis zum Dreiklangmarkt, um einige Beispiele zu nennen – zu entwickeln. Außerdem halte ich als Geschäftsführer ständigen Kontakt zur Verwaltung und zur Lokalpolitik in Telgte, um so auch bei Entscheidungsprozessen Standpunkte und Interessen der heimischen Unternehmen mit einfließen zu lassen.

Wie arbeiten „Telgter Hanse e.V.“ und Stadt Telgte zusammen?

Bäumer / Woestmeyer

Unsere Zusammenarbeit ist sehr eng und vertrauensvoll. Auch die ständige Mitgliedschaft des Wirtschaftsförderers der Stadt Telgte im Vorstand des „Telgter Hanse e.V.“ ist ein deutliches Zeichen, dass beide Seiten gemeinsam als ein Team unterwegs sind. Beliebte Aktionen wie Schaufensterwettbewerb oder Wunschzettel wurden von uns gemeinsam entwickelt. Wichtig ist für uns dabei, dass wir keine Eintagsfliegen ins Leben rufen, sondern dass es sich um Projekte handelt, die eine gewisse Kontinuität mit sich bringen und die entsprechende Akzeptanz genießen.

Wie stellt sich die „Telgter Hanse e.V.“ im Augenblick dar?

Woestmeyer

Die Zahl der Mitglieder liegt aktuell bei ca. 130 Mitgliedern. Uns freut dabei besonders, dass sich die Mitglieder aus allen Bereichen unserer heimischen Wirtschaft zusammensetzt, angefangen beim Solo-Einzelhändler bis hin zu den großen Unternehmen wie Winkhaus, Münstermann und Tunstall. Die Mitgliedschaft in der „Telgter Hanse e.V.“ lohnt sich für jedes Unternehmen, weil die Beteiligung an gemeinsamen Aktionen für unsere Mitglieder um ein Wesentliches günstiger als für Nichtmitglieder ist, die aber auch immer herzlich willkommen sind, sich an unseren Aktionen zu beteiligen.

Wie stellt sich augenblicklich unter diesen schwierigen Umständen die Arbeit in der „Telgter Hanse“ sowie auch im Bereich der Wirtschaftsförderung dar?

Bäumer

Viele vorbereitete Projekte, Feste und Aktionen mussten wegen Corona abgesagt werden. Beispielhaft nenne ich hier das „Telgter Modell“, bei dem Schülerinnen und Schülern aus Telgter Schulen die Möglichkeit gegeben wird, vor der Berufsentscheidung durch Besuche in heimischen Betrieben erste eigene Erfahrungen in bestimmten Berufsfeldern zu machen. Es ergab sich ein extrem hoher Beratungsbedarf mit sehr speziellen Rückfragen zu den vielen Corona-Schutzverordnungen, die beantwortet werden mussten. Positiv bleibt festzuhalten, dass viele Unternehmen in dieser besonderen Zeit die Erfahrungen gemacht haben, dass sie sich digital besser aufstellen müssen, um mit Kunden in Kontakt treten zu können.

Woestmeyer

Die Arbeit wurde durch Corona nicht weniger, gestaltete sich aber anders. Wir haben innerhalb kürzester Zeit mit unseren Mitgliedern einen Lieferdienst und Abholservice ins Leben gerufen und diesen über unsere Homepage veröffentlicht und täglich aktualisiert. Ein sehr positiver Nebeneffekt war zudem, dass viele gespürt haben, welche Bedeutung eine solche Gemeinschaft wie die „Telgter Hanse e.V.“ für jeden einzelnen hat. Darüber hinaus haben die Telgter Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Einkauf hier vor Ort eine große Verbundenheit zu ihren Einzelhändlern gezeigt.

 Ist es aufgrund von Corona schon zu Geschäftsschließungen in Telgte gekommen?

Bäumer

In der Altstadt hat es Geschäftsschließungen gegeben, wobei ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob dies ausschließlich der Corona-Pandemie geschuldet ist. Solange die Corona-Pandemie nicht überstanden ist, bleibt die aktuelle Situation eine enorme Herausforderung für den Handel, die Gastronomie und Dienstleister.

Alles spricht von Digitalisierung – insbesondere im Bereich von Gewerbe und Dienstleistung. Wie sieht der aktuelle Stand in Telgte aus?

Bäumer

Hinsichtlich des Glasfaserausbaus ist in Telgte derzeit viel in Bewegung. Zum einen läuft derzeit in der Gesamtstadt Telgte der geförderte Breitbandausbau für alle Gebiete unter 30 Mbit / s durch das Unternehmen Deutsche Glasfaser. Zudem startet ab Ende August 2020 eine Nachfragebündelung in den Siedlungsbereichen durch die Deutsche Glasfaser, d.h. wird eine Quote von 40% erreicht, erfolgt ein Ausbau. Dabei erhalten wir volle Unterstützung durch die „Telgter Hanse e.V.“, weil für alle klar ist, dass das für die weitere Entwicklung Telgtes ein ganz wichtiges Thema ist. Um am Markt bestehen zu können, müssen sich Handel, Gewerbe und Gastronomie stärker digital aufstellen. Der Kunde will mit dem Blick ins Internet grundlegende Informationen wie Angebote und Öffnungszeiten erfahren.

Woestmeyer

Mein Ziel ist es, dass in absehbarer Zeit gut 80% aller Telgter Unternehmen auch digital unterwegs sind. Mir ist aber klar, dass wir als „Telgter Hanse e.V.“ große Hilfestellung leisten müssen, weil es bei den vielen unserer noch inhabergeführten Geschäfte einfach an personellen und zeitlichen Ressourcen fehlt, um diesen Schritt machen zu können.

Wie ist die Stimmung am Wirtschaftsstandort Telgte?

Bäumer

Ein erstes Meinungsbild haben wir uns durch eine Telefonaktion auf Veranlassung unseres Bürgermeisters Wolfgang Pieper verschafft, in dem wir gut 50 Unternehmen in Telgte kontaktiert haben. Die Stimmungslage ist angespannt, lässt aber zudem den Eindruck zu, dass viele hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Die Sofort- und Überbrückungshilfen von Bund und Land haben ihre Wirkung dabei nicht verfehlt. Viele sind aber der Meinung, dass die wirtschaftliche Delle in den nächsten Jahren folgen wird. Darauf müsse man sich jetzt vorbereiten, wenn dies möglich ist.

Wie sieht es mit den bekannten Großveranstaltungen in Telgte aus?

Woestmeyer

Der traditionelle Mariä Geburtsmarkt mit der Kirmes wird in diesem Jahr nicht stattfinden können. Die Entscheidung über die Durchführung des Erntedankfestes wird Ende August und über den Dreiklangmarkt wird Ende September fallen. Alle potentiellen Aussteller sind über diese Vorgehensweise informiert.

Bäumer

Wir werden selbstverständlich die Konzepte überdenken und versuchen, neue Akzente zu setzen. Wir müssen nur aufpassen, dass das gewisse Flair, das mit all diesen Veranstaltungen verbunden ist, durch ggfls. neue Konzepte unter Beachtung der Hygieneregeln nicht verloren geht. Ein Knobeln auf dem Dreiklangmarkt mit dem entsprechenden Abstand ist nur sehr schwer vorstellbar.

Warum sollte ein Gewerbetreibender seinen Betrieb in Telgte ansiedeln?

Bäumer

Telgte ist ein stetig wachsender Wirtschaftsstandort. Allein in den letzten 10 Jahren sind hier über 1.500 neue Arbeitsplätze entstanden. Ein Wirtschaftsstandort zeichnet sich nicht nur durch einen niedrigen Gewerbesteuersatz oder ein ausreichendes Angebot von Gewerbeflächen aus. Auch die Lebensqualität spielt bei der Bewertung eine entscheidende Rolle. Das Gesamtpaket muss passen. Dass das hier so zutrifft, wird dadurch verdeutlicht, dass wir in den letzten 15 Jahren jährlich 10.000 m2 bis 15.000 m2 Gewerbefläche verkauft haben. Und weiterer Bedarf ist da. Die Politik wird zukünftig entscheiden, wie stark Telgte zukünftig wachsen soll, denn mit weiteren neuen Gewerbe- und Wohngebieten muss zwangsläufig auch die soziale und technische Infrastruktur innerhalb der Stadt und Ortsteile mitwachsen können.

Woestmeyer

Die „Telgter Hanse e.V.“ favorisiert ein Wachstum, der seinen Schwerpunkt auf die Qualität und weniger auf die Quantität legt. Es gilt dabei die Frage zu beantworten, für wen wollen wir noch weiter wachsen. Gerade in Bezug auf die Ausweisung neuer Baugebiete. Was passiert mit den in großer Anzahl vorhandenen Einfamilienhäusern, die in nicht allzu langer Zeit leer stehen und unbewohnt sein werden, weil die Kinder ihren beruflichen Weg außerhalb von Telgte eingeschlagen haben? Das alles muss in diesem Stadtentwicklungsprozess mit einfließen. 

Gibt es zum Schluss des Gesprächs noch Etwas, dass Sie Ihren Kunden und Kundinnen, Ihren Bürgern und Bürgerinnen, noch sagen wollen:

Bäumer / Woestmeyer

Kauft vor Ort! Jede(r), die (der) den Euro ausgeben will, soll zumindest prüfen, ob dieser nicht auch hier vor Ort ausgegeben werden kann. Telgte hat ein sehr umfassendes Angebot an Waren und Dienstleistungen, so dass fast alles hier vor Ort zu erhalten ist. Ein weiterer Pluspunkt für den Kauf vor Ort ist der freundliche und kompetente Service, den man übers Internet nicht mit einkaufen kann.

Herr Bäumer, Herr Wöstmeyer, herzlichen Dank für dieses sehr informative Gespräch.

Quelle :

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