Der etwas andere Urlaub

TÖFTE TEAM – Urlaub & Pflege e.V.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf Urlaubswünsche zu erfüllen!“ So beschreibt Susanne Hanowell, 1. Vorsitzende und Gründungsmitglieder des Vereins „Urlaub & Pflege e.V.“, die Arbeit des gemeinnützigen Reiseveranstalters. Auf die Idee, diesen Verein zu gründen, sei sie im Rahmen ihres Anerkennungsjahres in einem Pflegeheim gekommen. „Meine Aufgabe war es, eine Gruppe von 12 sehr isoliert lebenden Menschen wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Mit vieren dieser 12 Personen habe wir dann einige Tage auf Spiekeroog verbracht und die Erfahrungen für alle waren durchweg positiv“, blickt sie auch heute noch zufrieden auf diesen ersten gemeinsamen Urlaub als Begleiterin von Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf zurück. Daraus entstand die Idee, ein für alle Interessierten buchbares barrierefreies Reiseangebot zu schaffen, bei dem die komplette Reise inkl. Ausflugsprogramm und Pflege organisiert ist.

20 Jahre „Urlaub & Pflege e.V.“

In diesem Jahr feiert der Verein „Urlaub & Pflege e.V.“ sein zwanzig jähriges Vereinsjubiläum. Das Besondere an dem Angebot ist die 1:1 Betreuung durch ehrenamtliche ReisebegleiterInnen, das Abholen von zuhause (innerhalb NRW) sowie die auf den meisten Reisen angebotene Nachtbereitschaft. Bereits über 2000 Gäste mit Pflegebedarf hat Urlaub & Pflege e.V. im Laufe der Jahre auf verschiedene Reisen ins In- und Ausland begleitet. Sein Hauptsitz befindet sich in Telgte; weitere Kontaktstellen existieren noch in Hamburg, Bad Salzuflen und Betzdorf (Hessen). Aus einem ehemals nur ehrenamtlich geführten Verein hat sich zwischenzeitlich eine Organisation mit sechs hauptamtlich und fast 60 ehrenamtlich tätigen ReisebegleiterInnen  entwickelt.

Während sich die Hauptamtlichen vorwiegend um die Planung, Organisation und Verwaltung im Hintergrund kümmern, ist es die Aufgabe der Ehrenamtlichen, den Urlaub „Ihres Gastes“ zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen. Neben der Unterstützung des Gastes, bei allem, was er/sie nicht alleine kann, geht es vor allem um Geselligkeit, gemeinsame Erlebnisse und das Erfüllen von Urlaubswünschen.

16 Urlaubsreisen

Im laufenden Jahr 2020 werden 16 Gruppenreisen angeboten. Bis zu 10 Gäste mit Pflegebedarf können an einer Gruppenreise teilnehmen. Hinzu kommen mitreisende Angehörige und natürlich die ReisebegleiterInnen. So sind in der Regel 2-3 rollstuhlgerechte Kleinbusse mit ca. 25 Personen gemeinsam unterwegs. Für alle, die nicht in einer Gruppe reisen möchten oder einen ganz speziellen Reisewunsch haben, gibt es das Individualreiseangebot. So ist der Besuch einer Familienfeier oder die Geburtstagsfeier bei Freunden und Bekannten  kein unüberwindbares Hindernis. Aber auch besondere Urlaubsträume wie z.B. eine Kreuzfahrt oder Flugreise werden auf Wunsch organisiert und je nach Hilfebedarf durch Betreuungskräfte oder examinierte Pflegekräfte begleitet.

Ehrenamtliche Mitarbeit

„Während wir in den ersten Jahren hauptsächlich daran gearbeitet haben unser Reiseangebot bekannt zu machen und Gäste zu gewinnen, ist es inzwischen so, dass wir mehr Gästeanfragen bekommen, als wir begleiten können. Im Moment engagieren wir uns daher sehr stark in der Gewinnung von Menschen, die bereit sind und Freude daran haben, einen Gast mit Pflegebedarf auf Reisen zu pflegen und zu begleiten.

Ein Projekt, in das wir viel Hoffnung setzen, ist die Änderung des Sonderurlaubsgesetzes in NRW. Im Moment bekommen ArbeitnehmerInnen, die Jugendfreizeiten ehrenamtlich begleiten, dafür Sonderurlaub. Wir haben angeregt, dieses Gesetz auf die ehrenamtliche Begleitung von Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf aller Altersstufen auszuweiten. Es gibt bereits eine erste positive Stellungnahme des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Im Moment durchläuft diese Anfrage die politischen Gremien.

Auch Studierende und RentnerInnen, die sich engagieren möchten, sind herzlich willkommen. Je vielseitiger unser Team ist, desto bunter und lebendiger geht es auf unseren Reisen zu“ berichtet Susanne Hanowell. „Um ReisebegleiterIn zu werden, braucht es keine bestimmte Qualifikation. Bei uns sind z.B. Steuerberater, Schlosser, Gärtner aber natürlich auch jede Menge Pflegekräfte im Einsatz. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft, sich auf die Gäste und auf pflegerische Unterstützung einzulassen. Bei Unsicherheiten ist immer jemand da, der hilft".

Kosten und Zuschüsse

Den ehrenamtlichen ReisebegleiterInnen entstehen während des Urlaubs keinerlei Kosten. Die Unterbringungs- und Verpflegungskosten im Hotel werden in den Reisepreis der Gäste eingerechnet. Der Pflegeanteil wird in vielen Fällen durch die Pflegekassen übernommen. „Unsere Reisen sind im Durchschnitt ca. 3 mal so teuer, wie eine vergleichbare Reise ohne Unterstützung. Das liegt an dem hohen Betreuungsschlüssel und an der intensiven Vorbereitung der Reisen. Da wir wissen, dass die Reisekosten oftmals die finanziellen Möglichkeiten der Reiseteilnehmer übersteigen, haben wir 2003 einen Förderverein gegründet, der pro Jahr in acht bis zehn Fällen einen Teilbetrag der Reisekosten übernimmt“, fügt sie noch einen weiteren wichtigen Aspekt in diesem Zusammenhang an. Auch „Aktion Mensch“ beteiligt sich mit einem Zuschuss an den Reisekosten für die BetreuerInnen. 

Betreuung vor Ort

Der Tag der ehrenamtlichen ReisebegleiterInnen beginnt mit der morgendlichen Teambesprechung. Danach geht es zu den Gästen, um bei der Morgenpflege zu helfen. Beim gemeinsamen Frühstück wird dann der Tag geplant: „nehmen wir am angebotenen Ausflugsprogramm teil oder gestalten wir den Tag auf eigene Faust“? „Wichtig ist uns die Möglichkeit der individuellen Gestaltung des Urlaubs“, erzählt Susanne Hanowell. „Wer eigene Ideen mitbringt, wird nach Kräften dabei unterstützt, dass es auch klappt“. 

Fazit

„Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich diese Urlaube auf den körperlichen und vor allem seelischen Zustand des Menschen sehr positiv auswirken. Sie erleben Gemeinschaft bei den Mahlzeiten, sitzen abends auf der Terrasse beim gemeinsamen Bierchen oder einem Glas Wein zusammen und genießen es, sich mit anderen, gleichgesinnten Menschen auszutauschen“, zieht Susanne Hanowell ein auch für sie und ihre Mitstreiter sehr befriedigendes Fazit ihrer Tätigkeit.

Quelle : Töfte Regionsmagazin

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